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Wie Typografie indigene Sprachen bewahrt: Der Prozess hinter der Digitalisierung der Inuktitut-Sprache durch Typotheque und welche Chancen sie bietet.

Die Technologie hat die Kommunikation verändert. Doch ihre weit verbreitete Nutzung könnte die Weichen für eine weltweit homogeneren Kultur stellen. Schätzungsweise alle zwei Wochen wird eine weitere Weltsprache Geschichte. Wenn wir wollen, dass die gefährdeten Sprachen weiterleben, müssen wir sie stärken. Aber wie kann uns das gelingen?

Wir sind kürzlich auf ein Projekt gestoßen, an dem einer unserer Suitcase-Fusion-Benutzer mit der Schrift Fedra Sans Inuktitut gearbeitet hat.

Inuktitut ist eine der wichtigsten Inuit-Sprachen Kanadas. Im 19. Jahrhundert entwarf der Missionar James Evans Syllabics, ein Schriftzeichen, das eine Silbe darstellt. Damit wollte er eine Sprachschriftarchitektur für bestimmte indianische Sprachen festlegen – einschließlich Cree, Ojibwe und eben auch Inuktitut.

Im Laufe der Jahrzehnte haben Inuktitut-Muttersprachler die Silben akzeptiert, aber da die Globalisierung und Kanadas primäre Kolonialsprachen (Französisch und Englisch) konventioneller geworden sind, ist das gesprochene und geschriebene Inuktitut stark zurückgegangen.

Der Avataq Kulturrat beauftragte den Schriftenhersteller Typotheque, der sich auf Schriftarten für verschiedene Sprachen spezialisiert hat, die geschriebene Inuktitut-Sprache zu digitalisieren und eine Schriftart zu entwickeln, die heruntergeladen und im Alltag verwendet werden kann.

Ich hatte die Gelegenheit, mit Peter Bil'ak von Typotheque über das Fedra Sans Inuktitut-Projekt und einige der eigenen Ziele des Schriftenherstellers zu sprechen.

Bevor wir uns mit der Arbeit von Typotheque und dem Inuktitut Fedra Sans-Projekt befassen, können Sie mir etwas darüber erzählen, wie Sie zur Typografie kamen?

Peter Bil’ak: Ich habe mich schon immer für Texte aus verschiedenen Blickwinkeln interessiert und dafür, wie Typografie Sprachen eine Stimme geben kann. Sie fängt nicht nur die Wörter ein, so wie man sie schreibt, sondern auch die subtilen Emotionen, die in der Sprache mitschwingen.

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Allein wenn wir reden gibt es in diesem Gespräch viele zusätzliche Informationen: meinen Akzent, Hintergrundgeräusche, alles, was nicht zu Papier gebracht werden kann. Hier können die Schrift und Typografie einspringen und dem Ganzen zusätzliche Informationen mitgeben. Dieser emotionale, persönliche Aspekt der Typografie interessiert mich.

Dann kommt noch hinzu, dass ich in einem kleinen Land [Niederlande] lebe, in dem wir verschiedene Sprachen sprechen. Wenn ich nur eine Stunde in eine Richtung fahre, muss ich bereits eine andere Sprache sprechen. Ich bin ständig mit verschiedenen Sprachen und Kulturen konfrontiert und daher daran interessiert, diese kulturelle Vielfalt zu bewahren.

In den letzten 15 bis 20 Jahren habe ich in vielen verschiedenen Kulturen gearbeitet und war diesen gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich habe eine Firma in Indien gegründet, die in indischen Sprachen arbeitet. Außerdem haben wir noch eine andere Firma, die arabische Schriftarten entwickelt. Wir haben mit den meisten lebenden Sprachen gearbeitet, die es gibt! Es ist wirklich ein Vergnügen, zu lernen, wie sie funktionieren. In der multilingualen Typografie gibt es viel mehr zu tun als in der lateinischen Schrift – für die bereits Hunderttausende von Schriftarten verfügbar sind.

Welche Art von Grafikprogrammen und Software verwenden Sie, um eine Schrift zu entwerfen?

Peter: Ich unterrichte Schriftgestaltung an der Royal Academy und versuche immer, meinen Schülern die Wirkung der von ihnen verwendeten Werkzeuge zu zeigen. Ich beginne mit dem Bearbeiten von Steinen, damit Sie verstehen lernen, wie das Behauen der Steine die Formen beeinflusst, die Sie erhalten wollen. Dann fahren wir mit der Kalligraphie fort und schauen uns an, wie verschiedene Stifte und Pinsel Ihre Arbeit beeinflussen. Und schließlich wechseln wir zu Werkzeugen in digitalen Gefilden.

Wir nutzen diesen Prozess, um den Schülern beizubringen, dass die von ihnen verwendeten Werkzeuge einen Einfluss auf ihre Arbeit und ihre Möglichkeiten haben. Mit digitalen Tools haben Sie ein größeres Anwendungsspektrum als mit herkömmlichen Methoden. Aber Sie beginnen, Projekte von der Warte aus zu betrachten, was eine bestimmte Software leisten kann, und oft erlauben Sie sich nicht, über diesen gesteckten Rahmen hinauszugehen.

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Sobald Sie deren Begrenztheit erkennen und eine verrückte Idee haben, die mit der üblichen Software nicht verwirklicht werden kann, müssen Sie sich fragen: „Also gut, was brauche ich, um sie in die Tat umzusetzen?" Aus diesem Grund haben wir viele unserer eigenen Werkzeuge entwickelt.

Als wir anfingen, mit Arabisch zu arbeiten, gab es keine vorgefertigten Softwareprogramme, mit denen Sie arabische Schriftarten auf einem Mac entwerfen konnten. Arabisch wird nicht von links nach rechts geschrieben. Die Grundlinie verschiebt sich häufig. Und Sie können kein Kerning anwenden, da die Kerning-Prinzipien auf römischen Typografie-Maßeinheiten basieren. Dies bedeutete, dass weniger arabische Schriftarten produziert wurden – und wir mussten viele unserer eigenen Werkzeuge verwenden, um sie zu entwerfen.

Glücklicherweise gab es 10 Jahre später Tools, mit denen Designer in den meisten Sprachen arbeiten können. Wir benutzen fast alle. Auf meinem Computer habe ich alles – vergangene Versionen von FontLab, Glyphen, ein Werkzeug namens RoboFont (das von einem meiner Schüler entwickelt wurde). Ich benutze RoboFont gerne, weil es kein Urteil darüber fällt, was richtig oder falsch ist – es ist sozusagen agnostisch.

Sie haben einige der Herausforderungen bei der Arbeit mit verschiedenen Alphabeten erwähnt. 2015 haben Sie mit dem Avataq Cultural Institute am Inuktitut-Projekt gearbeitet. Wie kommt ein solches Projekt zustande?

Peter: Wir versuchen jedes Jahr, ein solches Projekt zu übernehmen. Normalerweise recherchieren und suchen wir selbst nach etwas, aber dieses Projekt ist einfach irgendwie bei uns gelandet.

Das Institut hatte einige unserer lateinischen Schriftarten verwendet und festgestellt, dass wir andere Sprachen und Alphabete unterstützen. Es wählte eine Schriftsammlung namens Fedra Sans, die bereits viele verschiedene Sprachen unterstützt. Das Institut hat sich mit der Frage an mich gewandt, ob ich mir vorstellen könne, eine kanadische Silbenschrift zu entwickeln.

Wir übernehmen immer gerne eine neue Sprache oder ein Schriftsystem, mit denen wir noch nie gearbeitet haben. Dies war also die ideale Gelegenheit. Es war das erste Mal, dass wir mit Silben gearbeitet haben.

Was waren einige der besonderen Herausforderungen, mit denen Sie bei dieser Schrift zu tun hatten?

Peter: Die erste Herausforderung eines Projekts besteht darin, genau zu bestimmen, was wir zeichnen müssen. Mit Inuktitut gibt es keinen standardisierten Zeichensatz – keinen Ausgangspunkt, keine Vorlage, kein standardisiertes Alphabet.

Es ist eine indigene Schrift, die in Kanada von mehreren Sprachen verwendet wird, ähnlich wie die lateinische Schrift für mehrere Sprachen verwendet wird. Wir mussten den effizientesten Weg finden, um mit diesen Zeichen umzugehen, um sie flexibler für die Anforderungen verschiedener Sprachen zu machen. Wir haben festgestellt, dass wir durch Hinzufügen einiger weiterer Zeichen zu dem, was wir bereits hatten, die Schrift für mehr Menschen viel nützlicher machen können.

Sie werden feststellen, dass es in verschiedenen Sprachen sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wie Buchstaben aussehen sollen. Dies galt für die verschiedenen Völker, die Inuktitut in Kanada verwendeten. Wir wollten sicherstellen, dass die Schrift den kulturellen Erwartungen aller entspricht, die sie möglicherweise verwenden würden.

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Außerdem mussten wir gewährleisten, dass die Schrift mit den Einstellungen für verschiedene Schriften kompatibel ist. Die Inuktitut- und lateinische Schrift sehen in der Höhe ähnlich aus, aber die Inuktitut-Formen sind sehr locker und der Text ist fast luftig. Eine kleine Herausforderung bestand darin, sicherzustellen, dass die Spationierung in Inuktitut etwas breiter wird. Sogar das Nichts – der Abstand zwischen den Wörtern – muss manchmal geändert werden. Sie müssen respektieren, dass sich verschiedene Schreibschriften einfach unterschiedlich verhalten. Am Ende mussten wir gewährleisten, dass alle drei Schriften gleich wirkten, wenn sie neben demselben Text in Englisch oder Französisch geschrieben wurden.

Wenn Sie eine solche Schrift übernehmen, müssen Sie sich natürlich vollkommen umdenken, was das Schreiben angeht. Was Sie für logisch oder normal halten, basiert nur auf Vereinbarungen zwischen Lesern und Verfassern. Für jemanden, der von außen kommt, dauert es viel länger, diese subtilen Nuancen zu begreifen.

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Projekt lange gedauert hat, da niemand in Ihrem Team Muttersprachler ist. Wie viele haben im Typotheque-Team daran gearbeitet und wie lange hat es von Anfang bis Ende gedauert?

Peter: Wir haben ungefähr acht Monate lang an diesem Projekt gearbeitet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass 10 Leute an einem Projekt arbeiten. Allerdings habe ich für die Fedra Sans Iniktitut den größten Teil der Arbeit selbst gemacht. Am Ende hatte ich beim Kerning Unterstützung von meinem Kollegen Nikola.

Bei anderen Schriften, mit denen wir gearbeitet haben, mussten wir oft zurück ans Zeichenbrett kehren und noch mal bei null anfangen, aber bei Inuktitut war das anders. Es ist eine ziemlich neue Schrift mit einer relativ kurzen Geschichte. Sie müssen nicht unbedingt so tief in die Materie tauchen, um auf Antworten zu stoßen.

Gleichzeitig ist es eine große Verantwortung, weil es Neuland ist. Was Sie tun, legt den Grundstein und gibt die Richtung vor für das, was andere als Nächstes tun.

Die Digitalisierung einer solchen Schriftsprache kann einen großen Einfluss darauf haben, wie sie verwendet wird, insbesondere von jüngeren Generationen. Verraten Sie uns doch bitte, wie Sie über die möglichen Auswirkungen denken.

Peter: Es gibt viele Gründe, warum Sprachen aussterben, einschließlich des digitalen Aussterbens. Viele dieser Sprachen werden einfach nicht unterstützt. Sie können Siri nicht in kanadischen Aboriginessprachen fragen – sie wird sie einfach nicht unterstützen. Die Technologie kann Sie dazu zwingen, von Ihrer Muttersprache in eine andere Sprache zu wechseln.

Von den heute noch gesprochenen Sprachen ist bis zum Ende des Jahrhunderts mehr als die Hälfte vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig wird vorausgesagt, dass sich die menschliche Bevölkerung in dieser Zeit fast verdoppelt. Es wird mehr Menschen geben, aber weniger Sprachen, weniger kulturelle Vielfalt, mehr Einheitlichkeit.

Wenn Sie die Infrastruktur entwickeln, können Sie hoffentlich bessere Bedingungen für das Überleben dieser Sprachen schaffen. Wir arbeiten mit Rand- oder vernachlässigten Kulturen in der Hoffnung, zur Schaffung einer Infrastruktur beizutragen. Sie soll es ihnen ermöglichen, Instrumente zu entwickeln, die der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit dienen und ihre Kulturen stärken.

Wir legen unsere Arbeit oft als Open Source offen. Denn wir sind der Meinung, dass dies der beste Weg ist, diese Kulturen zu unterstützen, da sie oft kaum finanzielle Mittel haben. Es ist eine Freude zu sehen, wie unsere Arbeit auf eine Weise umgesetzt und genutzt wird, die wir nicht erwartet hatten.

Sie haben bereits erwähnt, dass Sie und Ihr Team jedes Jahr versuchen, ein solches Projekt zu übernehmen. Können Sie uns etwas über einige dieser verschiedenen Projekte erzählen?

Peter: Durch das Inuktitut-Projekt wurde uns klar, dass es oft nicht ausreicht, eine einzige einzelne Schriftart zu entwickeln. Sie hat nicht immer die erhoffte Wirkung. Wenn wir seither ähnliche Projekte in Angriff genommen haben, haben wir stets einen anderen Ansatz verfolgt und versucht, eine ganze Bibliothek von Schriftarten für verschiedene Zwecke zu entwickeln. Schriftarten für sehr kleine Größen, für verschiedene Situationen oder Schriftarten, mit denen ein Verlag wirklich ausgiebig arbeiten kann.

Unsere Arbeit mit Hebräisch dauerte sieben Jahre. Wir haben an einer sekundären Schrift gearbeitet – ich werde das Wort „kursiv“ nicht verwenden, da dies eine Funktion lateinischer Schriftarten ist –, aber wir wollten eine sekundäre Schrift entwickeln, mit der man einen Textblock hervorheben kann. So haben wir Veranstaltungen in Israel organisiert, eine Broschüre gedruckt und eine Reihe von Schriftarten zur Verfügung gestellt.

Jetzt arbeiten wir mit armenischen Schriften, die nur für ein Land, eine Sprache und ein Schriftsystem erstellt wurden. Wir haben 20 verschiedene Schriften entworfen, historische Quellen recherchiert und hoffen, am Ende Essays über unsere Prozesse und die Geschichte veröffentlichen zu können. Unser Ziel ist es, Arbeiten zu veröffentlichen, die wirklich noch nie dagewesen sind.

Wir haben schon ziemlich viel auf die Beine gestellt, aber wir sind mit unserer Arbeit noch längst nicht fertig.

Um über die Arbeit von Typotheque auf dem Laufenden zu bleiben, schauen Sie sich deren Blog an.