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Die Schriftart-Akten: Wenn Piraterie und Nichteinhaltung zu Schriftarten-Klagen führen

Obwohl es nicht der spannendste Teil eines Design-Workflows sein mag, ist es unerlässlich, die Schriftlizenzierung zu beachten, da Urheberrechtsverletzungen bei Schriftarten in der Regel Rechtsstreits nach sich ziehen. Sie haben vielleicht gehört, dass die unberechtigte Verwendung von Schriftarten schwerwiegende Folgen haben kann. Aber Sie sind sich möglicherweise immer noch unsicher, welche endgültigen Kosten bei einer Urheberrechtsverletzung von Schriftarten entstehen.

Sie fragen sich womöglich, ob es wirklich so wichtig ist, die Schriftlizenzierung zu beachten. Klagen Schriftenhersteller wirklich, wenn Best Practices der Schriftlizenzierung nicht befolgt werden? Was ist, wenn Sie die Schriftart gekauft haben und sie nur auf eine neue Art und Weise verwenden? Wie sieht es mit all den Grauzonen in digitalen Anwendungen aus? Bei der Schriftlizenzierung geht es doch bestimmt flexibel und verständnisvoll zu, oder?

Schriftenhersteller sind sich bei Rechtsstreits über Schriftarten oft bereit sich außergerichtlich zu einigen, aber das ist nicht immer der Fall. Wir möchten Sie an dieser Stelle darüber informieren, dass es sehr wichtig ist, die Schriftlizenzierung zu beachten. Für Designer sind Schriften oft nicht mehr als ein Schriftbild. Wir schätzen die Kunst der Typografie und die unglaubliche Design-Wirkung, die die perfekte Schrift bei einem Projekt erzielen kann. Wir möchten jedoch betonen, dass Schriftarten im Allgemeinen durch die gleichen Lizenzvereinbarungen geschützt sind, die für Software gelten. In diesem Artikel stellen wir einige vielbeachtete Fälle von Urheberrechtsverletzungen vor, die zu Rechtsstreits geführt haben – und definitiv nicht billig waren. Wir nennen diese Fälle die Schriftart-Akten.

1. Schriftarten-Rechtsstreit von Haribo

Font Diner gegen Haribo

Der Kläger forderte 150.000 USD.

Die Schriftlizenzierung sollte man nicht unterschätzen. Haribo hatte nur Desktop-Nutzungsrechte für eine Schriftart, die das Unternehmen auf der Verpackung von Süßigkeiten mit dem Namen „Haribo Halloween Mix“ verwendete. Beim Kauf von Schriftarten ist es also entscheidend, dass Sie tatsächlich die Endbenutzer-Lizenzvereinbarung lesen. Obwohl das Urteil nicht offengelegt wurde, vermuten wir, dass es für den Süßwarenhersteller kein Zuckerschlecken war.

2. Schriftarten-Rechtsstreits von NBCUniversal

Font Bureau gegen NBCUniversal, P22 Type Foundry gegen NBCUniversal und Brand Design Co. gegen NBCUniversal

Die Kläger forderten 2.000.000 USD, 1.500.000 USD bzw. 3.500.000 USD.

NBCUniversal war nicht nur in einen, auch nicht in zwei, sondern gleich in drei Rechtsstreits wegen Schriftlizenzierung verwickelt. Es soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass alle drei Kläger von Frank J. Martinez vertreten wurden, einem Anwalt, der sich auf Urheberrechtsschutz spezialisiert hat und ein faszinierendes, umfassendes Whitepaper über die Beachtung von Schriftlizenzierung für Extensis verfasst hat.
Die erste Klage wurde 2009 eingereicht. Der Schriftenhersteller Font Bureau verklagte NBCUniversal auf 2 Millionen USD und behauptete, dass die Verwendung seiner Schriften über die Schriftlizenzvereinbarungen hinausgehen würde. Im Grunde waren die betreffenden Schriften zwar gekauft worden, jedoch nicht mit den erforderlichen Berechtigungen, um sie in Werbematerialien verwenden zu können.
Im Jahr 2011 wurde erneut Klage eingereicht. P22 Type Foundry verklagte die NBCUniversal-Tochter Universal Studios auf 1,5 Millionen USD wegen der Verwendung ihrer Schriftart für Harry Potter-Fanartikel, denn die erworbene Lizenz galt nur für die digitale Nutzung.
Brand Design Co. verklagte NBCUniversal im Jahr 2012, als die Schriftart „Chalet“ des Schriftenherstellers angeblich auf verschiedenen NBC-Websites zu finden war. Obwohl die NBCUniversal-Tochter Oxygen Media eine Lizenz für „Chalet“ erworben hatte, argumentierte der Kläger, dass diese Vereinbarung es nicht erlaubte, die Schriftart in den digitalen Inhalten anderer NBCUniversal-Marken zu verwenden. Welchen Schadenersatz hat der Schriftenhersteller genau in seiner Klage gefordert? Unglaubliche 3,5 Millionen USD.

3. Schriftarten-Rechtsstreit von Cher

Moshik Nadav gegen Cher

Der Kläger forderte 5.000.000 USD.

Der in Brooklyn lebende Designer Moshik Nadav behauptete, dass das Coverdesign für Chers 2013 erschienenes Album „Closer to the Truth“ eine Kopie seiner Schrift „Paris Pro“ sei. Diese Klage wurde zwar abgewiesen, aber Nadav behauptete ebenfalls, dass diese Schriftart fälschlicherweise von Joy Mangano verwendet wurde. Nadav schien diesen Fall nicht vor Gericht bringen zu wollen, machte ihn aber auf Instagram öffentlich.

4. Schriftarten-Rechtsstreit von Volvo

Berthold gegen Volvo

Der Kläger forderte 1.500.000 USD.

Schriftenhersteller Berthold behauptete, Volvo habe seine Firmenschrift mit einer der urheberrechtlich geschützten Schriften von Berthold erstellt. Es wurde nicht öffentlich gemacht, wie dieser Fall ausging, aber er verdeutlicht, dass Sie bei der Lizenzierung sorgfältig sein müssen, auch wenn Sie eigene Unternehmensschriftarten verwenden.

5. Schriftarten-Rechtsstreit von Microsoft

Tal gegen Microsoft

Der Kläger forderte 1.500.000 USD.

Bei vielen dieser Fälle geht es um Schriftartlizenzierung und die Einhaltung der Endbenutzer-Lizenzvereinbarung, aber bei diesem Fall war es anders. Der Schriftartendesigner Henry Friedlander entwickelte die Schriftart „Hadassah“ im Zweiten Weltkriegs, während er sich vor den Nazis versteckte. Diese Schriftart war sehr beliebt und sogar Microsoft verwendete sie. Nach Friedlanders Tod erhob seine Tochter und Erbin Hannah Tal Klage gegen Microsoft und erklärte, dass Microsoft keine Rechte oder Erlaubnis zur Verwendung der Schriftart hätte und behauptete, dass die Schrift auch ohne Zustimmung weiterentwickelt worden sei. Microsoft argumentierte, das Unternehmen habe die Rechte von einem seriösen Schriftenhersteller erworben, während Tal vorbrachte, dass dieser Schriftenhersteller nicht über die Rechte zum Vertrieb der Hadassah-Schriftart verfügte. Wir sind uns nicht sicher wie dieser Fall ausging, aber wir wissen, dass Tal auch Klage gegen den Schriftenhersteller erhoben hat, was uns zu unserer nächsten Schriftart-Akte führt.

6. Schriftarten-Rechtsstreit von Masterfont

Tal gegen Masterfont

Die Klägerin forderte 4.500.000 USD.

Die meisten Klagen werden von Schriftenherstellern eingereicht, aber in der Welt der Urheberrechtsverletzung ist alles möglich. In diesem Fall gab es einen Rollentausch. Tal verklagte den israelischen Schriftenhersteller Masterfont im Jahr 2009 wegen Urheberrechtsverletzung und behauptete, dass die extrem beliebte Schriftart ihres Vaters ohne Zustimmung verwendet wurde. Der Rechtsstreit dauerte fünf lange Jahre, aber letztlich entschied das Gericht zu Tals Gunsten und entschied, dass Tal die Digital- und Printrechte an „Hadassah“ besaß. Die finanziellen Folgen sind schwerwiegend, da „Hadassah“ eine der drei beliebtesten, klassischen hebräischen Schriftarten ist.

Jeder Schriftenhersteller hat seine eigene Art, Lizenzstreitigkeiten anzugehen. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, vermeiden Klagen lieber, sind jedoch der Ansicht, dass sie notwendig sind, wenn eine Vereinbarung nicht eingehalten werden kann.

Letztlich liegt die Verantwortung bei denen, die die Schriftarten verwenden – egal, ob sie für eine kleine Agentur oder ein riesiges Unternehmen arbeiten. Es ist wichtig, vor der Lizenzierung von Schriftarten seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen. Lesen Sie die verfügbaren Lizenzierungsoptionen und erwerben Sie, was Sie zu verwenden beabsichtigen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, halten Sie im Voraus Rücksprache mit dem Schriftenhersteller. Verfolgen Sie nach dem Kauf Ihre Schriftartlizenzen entsprechend. Dadurch wird sichergestellt, dass Sie über die richtige Anzahl von Schriftarten und die richtige Lizenzierung verfügen, um Sie und Ihre Marke vor rechtlichen Auseinandersetzungen und öffentlichen Imageschäden zu schützen.
Fehler bei der Schriftlizenzierung können nicht nur unglaublich teuer, sondern auch extrem peinlich sein. Sicherlich möchten Sie nicht als abschreckendes Beispiel in den Schriftarten-Akten enden, also seien Sie proaktiv. Setzen Sie sich in Ihrem Unternehmen dafür ein, der Schriftlizenzierung nachzukommen.

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